Geographie
Asturien erstreckt sich zwischen dem
kantabrischen Meer (Golf
von Biskaya) im Norden und dem
Kantabrischen Gebirge im Süden. Politisch grenzt es im
Westen an
Galicien, im Süden an
Kastilien-León und im Osten an
Kantabrien. Die Küste nennt sich
Costa Verde, hier befinden sich die schönsten Strände
Spaniens.
In der ganzen Region herrscht
ozeanisches Klima das sich stark vom heißen und trockenen
Klima in Zentral- und Südspanien unterscheidet. Das Kantabrische
Gebirge wirkt als
Klimascheide zum zentralen spanischen Hochland, der
Meseta. Die Vegetation in Asturien ist daher von viel mehr
Grün bestimmt (España Verde, das „grüne Spanien“), als
die Zentralspaniens.
Bevölkerung
Die Bevölkerung konzentriert sich in den
Tälern des zentralen Landesteiles sowie an der Küste, während
die Mittel- und Hochgebirgsregionen nur dünn besiedelt sind.
Sprachen
Neben dem
Spanischen wird in Asturien auch das autochthone
Asturische sowie in den westlichen Randgebieten längs der
Grenze zu
Galicien das
Galicische gesprochen. Amtssprache ist jedoch nur das
Spanische.
Geschichte
In der Region gibt es Höhlen mit
steinzeitlichen Malereien, vor allem Tierdarstellungen, die ca.
15.000 Jahre alt sein sollen. Weiterhin wurden bis heute etwa
700
Dolmen gefunden. Die meisten haben die Jahrtausende
weitgehend unversehrt überstanden, weil sie durch Erde bedeckt
waren.
Die ersten Ansiedlungen werden den
Iberern zugerechnet. Die Region hat Bodenschätze zu bieten,
insbesondere Gold. Zu deren Förderung wurden Zentren gegründet,
sogenannte Castros. Diese waren über lange Zeit (>1000
Jahre) bevölkert und werden heute wieder ausgegraben.
Ca. 800 v. Chr. wurde die Region von
keltischen Stämmen besiedelt. Diese errichteten befestigte
Siedlungen wie das
Castro de Coaña. Sie dürften als Hirten ihren
Lebensunterhalt bestritten haben.
Ca. 25–19 v. Chr. wurde die Region ins
Römische Reich eingegliedert. Nach dessen Zerfall wurde sie
im 5. Jahrhundert Teil des
Westgotenreichs, doch waren die Asturer ebenso wie andere
einheimische Völker rebellisch. Nach der Eroberung der
Iberischen Halbinsel durch die Muslime (711-719) begann von
Asturien aus der Widerstand der Christen, den der vornehme Gote
Pelayo (Pelagius) († 737) organisierte. Er wurde von seinen
Anhängern zum König (oder Fürsten) gewählt und besiegte im Jahr
722 eine Streitmacht des für die Region zuständigen muslimischen
Statthalters in der
Schlacht von Covadonga. Dieser Erfolg war der Ausgangspunkt
der
Reconquista.
Aus Pelayos Machtbereich entstand das
Königreich Asturien, das 924 Teil des
Königreiches León wurde. 1230 wurde es mit Kastilien
vereinigt. Der spanische Thronfolger trägt seit 1388 den Titel
„Fürst von Asturien“ (Príncipe de Asturias).
Im
19. Jahrhundert wurde Asturien zusammen mit dem
Baskenland Zentrum der Industrialisierung Spaniens (v.a.
Bergbau und Schwerindustrie). Es war auch einer der
Ursprungsorte der spanischen
Arbeiterbewegung.
Im Oktober 1934 fand in den Bergbaugebieten
Asturiens die „revolución de octubre“ oder „revolución minera“
statt, welche von den Truppen der damals von rechten Parteien
dominierten Regierung der Republik niedergeschlagen wurde. Die
Leitung der Militäraktion gegen die streikenden Bergarbeiter
hatte der spätere Diktator
Franco, welche zwei Jahre später den
Bürgerkrieg lostreten sollte.
Im
Spanischen Bürgerkrieg war Asturien ein Zentrum des
republikanischen Widerstandes. Es war jedoch geographisch vom
Hauptteil der republikanischen Zone isoliert und konnte im
Sommer 1937 von
Francos Truppen erobert werden.
Ihr heutiges Autonomiestatut erhielt die
Region am 11. Januar 1982.
Politische Gliederung
Asturien gliedert sich administrativ in 78
Concejos (dt. Räte, Städte und Gemeinden nach dem
Muster der
Municipios im übrigen Spanien) ein, die nach dem
Autonomiestatut zu Comarcas (entspricht in etwa
Regierungsbezirken oder Landkreisen) zusammengefasst werden
können, was aber bisher nicht vollständig geschehen ist. Vom
Standpunkt der Judikative aus gesehen sind die 78 Concejos in 18
Gerichtsbezirke unterteilt.
Wirtschaft
Asturien ist eine der Industrieregionen
Spaniens, insbesondere aufgrund des vorherrschenden Bergbaus und
der Schwerindustrie. Da diese Branchen eher zu den schrumpfenden
gehören, befindet sich Asturien seit den 1970er Jahren in einem
Strukturwandel. In den letzten vier Jahrzehnten lag die
Wirtschaftswachstumsrate Asturiens hinter der anderer spanischer
Gebiete zurück.
Die Landwirtschaft spielt in Asturien eine
größere Rolle, da aufgrund des feuchten Klimas und mäßiger
Temperaturen Agrarprodukte produziert werden können, die in
anderen Regionen Spaniens nur mit höherem Aufwand angebaut
werden können. Daneben gibt es (hauptsächlich inländischen)
Tourismus.
Das Bruttoinlandsprodukt der Region erreichte
im Jahr 2006 gemessen in Kaufkraftstandards 94% des
Durchschnitts der
Europäischen Union (EU-27).
Industrie
Die traditionell vorherrschenden
Industriezweige Asturiens waren Steinkohlen- und Erzbergbau. Da
die weitere Förderung von Rohstoffen mit mehr Aufwand verbunden
ist und die geförderten Rohstoffe aufgrund von billiger
Konkurrenz aus dem Ausland unrentabler geworden ist, nimmt der
Bergbau seit den 1990er Jahren kontinuierlich ab. Zwischen
Gijón
und
Aviles gibt es Schwerindustrie, wobei die Betriebe nicht
zuletzt als Folge des rückgängigen Bergbaus von einer
Schließungswelle betroffen sind.
Die Regionalregierung versucht, durch die
gezielte Ansiedlung moderner Unternehmen eine Wirtschaftskrise
abzuwenden, wodurch eine abnehmende Zahl von Arbeitsplätzen
allerdings nicht aufzuhalten ist. Gerade ehemalige Bergleute
haben große Schwierigkeiten, in der Region wieder Arbeit zu
finden. Die Medien berichten von einer realen Arbeitslosenquote
zwischen 30% und 40%.
Landwirtschaft
Asturien ist die Milchkammer Spaniens, von der
Küste bis zu den Picos de Europa werden vor allem Milchkühe
gehalten. Ein durchschnittlicher Milchviehbetrieb hat 10 bis 15
Milchkühe, Großbetriebe sind in dem hügeligen und
kleinstrukturierten Gebieten selten. Ackerbau wird vornehmlich
als Maisanbau zur Silierung und Winterfütterung der Kühe
betrieben. Getreideanbau findet kaum statt, ebensowenig gibt es
nennenswerten Weinbau. Eine Spezialität Asturiens ist der Sidra,
ein preisgünstiger Apfelwein.
In Asturien finden sich überall noch
traditionelle quadratischen
Hórreos, das sind Getreide-, Obst- und Kartoffelspeicher,
die zum Schutz gegen Nagetiere auf Pfählen stehen. Die meisten
Hórreos sind aus Holz gebaut, im Westen Asturiens gibt es
längliche Speicher aus Steinmaterialien.
Der Wald besteht heute zum Großteil aus
Eukalyptus-Monokulturen. Das schnellwachsende und hochwertige
Holz hat den Nachteil, dass der Waldboden ausgelaugt wird, zudem
steigt bei dem stark ölhaltigen Eukalyptusholz die Gefahr von
Waldbränden sehr stark.

Hafen und Industrieanlagen in
Avilés
Quelle:
Wikimedia Commons
Lizenz:
This file
is licensed under the
Creative Commons
"Attribution-ShareAlike 2.1 Spain"
Licence