Moskau (Moskva), das Zentrum der ehemaligen sowjetischen Weltmacht, immer noch von den tiefgreifenden Veränderungen der letzen zehn Jahre. Das inmitten des Osteuropäischen Tieflands, im Tal der Moskwa liegende Moskau, ist eine rauhe Stadt, in der die große Bevölkerungsmehrheit Mühe hat, mit ihren mageren Gehältern und Renten zurechtzukommen, in der man aber auch auf protzigen neuen (häufig auf illegale Weise angeeigneten) Reichtum stößt. Moskau ist die geistige, politische und wirtschaftliche Hauptstadt des größten Landes der Welt und unterscheidet sich vom Rest der Russischen Föderation. Moskau konnte als Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum den schlimmsten Auswirkungen des Niedergangs der Industrie entgehen und ist nicht nur ein Anziehungspunkt für die Unternehmer des neuen Rußlands, sondern auch für die Ärmsten aus den entferntesten Teilen des weiten Landes.
Acht Jahrhunderte lang war der Kreml im Herzen Moskaus fast durchgängig das Machtzentrum von Prinzen und Zaren und seit jüngerer Zeit der Präsidenten, aber auch eine wichtige religiöse Stätte. Der benachbarte Rote Platz und ganz besonders die farbenprächtigen Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale sind ein Anblick, der im Westen mit der Sowjetunion und dem russischen Staat gleichgesetzt werden. Das Zentrum ist von den sogenannten „Sieben Schwestern“ umgeben – düster aussehenden, sozialrealistischen Hochhäusern –, die noch aus der Entfernung mächtig erscheinen und den Einzelnen winzig klein und unbedeutend erscheinen lassen.
Der zum Kreml führende Straßenzug Novy Arbat wird von Hochhäusern wie riesige aneinandergereihte Dominosteine gesäumt, von denen man erwartet, daß sie jeden Moment umfallen. Etwas versteckt stößt man allerdings auf die älteren Überreste der Stadt – schöne neoklassizistische Häuser und eindrucksvolle Bauten, wie z. B. das Bolshoi-Theater. Vor allem aber überraschen die palastartigen Stationen der Metro – der größten U-Bahn der Welt.
Heute sieht man auf dem Roten Platz nicht das sowjetische Militär bei Paraden zur Oktoberrevolution posieren und in Panzern über den Platz rollen, sondern reiche Moskowiter in ihren glänzenden neuen Mercedes-Limousinen. Die eindrucksvollen stalinistischen Gebäude in der Twerskaja Uliza, der Hauptstraße zum Roten Platz, beherbergen heute schicke Franchise-Unternehmen aus dem Western, die einen unpassenden Hintergrund zu den Babuschkas bilden, die hier alles mögliche verkaufen, um über die Runden zu kommen – von Geschirrtüchern bis zu Kätzchen. Die neue Generation betuchter Moskowiter mag zwar den Kapitalismus mit offenen Armen empfangen haben, für viele Bürger der russischen Hauptstadt aber stand nach 74 Jahren kommunistisch aufgezwungenem Atheismus die Hinwendung zu ihrem einst verbotenen orthodoxen Glauben im Mittelpunkt. Dies spiegelt sich in der Renovierung zahlreicher alter Kirchen und dem vermehrten Bau neuer Kirchen wider sowie in der Entscheidung, die sterblichen Überreste des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., christlich bestatten zu lassen.
Wladimir Putin, der zweite demokratisch gewählte Präsident Rußlands, ist der jüngste und vielleicht stärkste Führer, den der Kreml je sah. Viel Lob hat Putin in der Heimat für seine Wirtschaftspolitik erhalten, Kritik für seine zögerliche Reaktion auf das Unglück des U-Boots Kursk im Jahr 2000. Auf internationaler Ebene hat Putin klugerweise die „Bekämpfung des Terrorismus“ als ideale Gelegenheit genutzt, um das letzte Eis des Kalten Krieges ein für alle Mal zu brechen. Den Höhepunkt dieser Politik der Annäherung bildete sein Besuch der Texas-Ranch von George Bush im November 2001. Engere wirtschaftliche Verbindungen und größeres politisches Verständnis im Bezug auf Konfliktherde wie Tschetschenien werden sehr wahrscheinlich aus Rußlands Loyalität gegenüber den USA und ihrer Schlüsselrolle in Afghanistan erwachsen.
Unabhängig vom politischen Klima gibt es allerdings eine meteorologische Konstante in der Stadt und das ist die Härte des Moskauer Winters. Trotz der bitteren Kälte bietet die Basilius-Kathedrale bei Schneefall einen unvergleichlich schönen Anblick. Die Temperaturen im Sommer steigen dagegen oft auf über 30°C.
Daten und Fakten Lage: Region Moskau, westliche Russische Föderation.
Landesvorwahl: +7.
Einwohner: 8.652.195 (Stadt); 11.552. 601 (Großraum Moskau).
Ethnische Gruppen: Überwiegend Russen; Minderheiten aus allen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion.
Sprache: Amtssprache ist Russisch. Die Sprachen der ethnischen Minderheiten sind ebenfalls verbreitet. Englisch, Deutsch und Französisch werden teilweise gesprochen.
Religion: Vor allem russisch-orthodox.
Ortszeit: MEZ + 2 (UTC + 3); Oktober bis März: MEZ +3 (UTC + 4).
Netzspannung: 220 V, 50 Hz; runde Zweipol-Stecker; Adapter sind erforderlich.
Telekommunikation: Internationale Direktdurchwahl.
Währung: Rubel. Banknoten sind im Wert von 500, 100, 50 und 10 Rbl im Umlauf. Münzen gibt es in den Nennbeträgen von 5, 2 und 1 Rbl.