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Die Inselgruppe der Azoren (port. Ilhas dos Açores für Habichtsinseln) sind eine Gruppe von neun größeren und mehreren kleineren portugiesischen Atlantikinseln, die etwa 1.500 km westlich vom europäischen Festland und 3.600 km östlich von Nordamerika liegen. Verwaltungstechnisch bilden die Azoren zusammengefasst eine autonome Region Portugals, die Região Autónoma dos Açores. Trotz ihrer vergleichsweise weiten Entfernung vom europäischen Festland sind die Azoren als Teil Portugals der Europäischen Union zugehörig. Der Name „Ilhas dos Açores“ heißt übersetzt „Habichtsinseln“. Die Entdecker dachten damals, dass sie Habichte gesehen haben, was sich aber als Irrtum herausstellte. Denn die Habichte waren Bussarde. Der Name „Azoren“ ist dennoch geblieben. GeschichteMünzfunde des 18. Jahrhunderts auf der Insel Corvo lassen darauf schließen, dass die Azoren bereits in der Antike von den Phöniziern besucht wurden. Die Inseln sind bereits unvollständig und in nicht korrektem Umriss auf alten Seekarten des 14. Jahrhunderts wie dem Atlas Catalan erkennbar. Sie wurden 1427 von Diogo de Silves im Auftrag von Heinrich dem Seefahrer aufgesucht und für Portugal in Besitz genommen. Die Besiedlung durch Portugal begann bereits Mitte des 15. Jahrhunderts, als erstes 1431 auf der Insel Santa Maria. Auf Initiative von Isabella von Portugal, Schwester von Heinrich dem Seefahrer, die mit Philipp dem Guten von Burgund verheiratet war, gehörten zu den ersten Siedlern nicht nur portugiesische Bauern, sondern auch Flamen, da die Niederlande zum Herrschaftsbereich von Burgund gehörte. Auf der Insel Faial erinnern noch heute die Windmühlen und der Ortsname Flamengos an die erste Besiedlung. Die Azoren wurden schnell ein wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu den Besitzungen in Mittel- und Südamerika. So besuchte Christoph Kolumbus 1493 auf dem Rückweg seiner ersten Entdeckungsfahrt die Inseln. 1580 verlor Portugal seine Unabhängigkeit an König Philipp von Spanien. Die Azoren versagten Spanien die Anerkennung. So kämpften bis 1583 die Bewohner der Insel Terceira mit allen Mitteln, unter anderem mit Stieren, gegen die spanische Besatzung. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts erlebten die Azoren eine wirtschaftliche Blüte. Orangen, Ananas, Tee und Tabak wurden angebaut und erzielten gute Erträge. Der Walfang wurde intensiviert und durch den Bau einer Walfangflotte durch Portugal unterstützt. An dieser wirtschaftlichen Entwicklung hatten auch die guten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika einen erheblichen Einfluss. Mit der zunehmenden Technisierung wurden die Azoren zur Schaltstelle zwischen Amerika und Europa. Die aufkommende Dampfschifffahrt benötigte Häfen zur Versorgung mit Kohle, so dass Kohlebunker angelegt wurden. 1893 verband das erste Unterseekabel über Faial die beiden Kontinente. In den 30er Jahren landeten die ersten Transatlantikflüge im Linienverkehr mit großen Wasserflugzeugen im Hafen von Horta. 1941 entdeckten die USA die versteppte Westseite der Insel Santa Maria als geeignetes Gelände für einen Großflughafen. Ab 1944 begann der Bau des Platzes der mit einer Pistenlänge von 3 km bis in die 70er Jahre als Zwischenstopp für Transatlantikflüge benutzt wurde. Da die Insel nur 97 qkm groß ist, belegt der Flugplatz einen erheblichen Teil der Insel, die nur mit 5780 Einwohnern besiedelt ist. Heute landen im Sommer zwei Mal täglich je ein Flugzeug der lokalen Fluglinie auf dem völlig überdimensionierten Gelände, um Badetouristen den Besuch der Insel zu erlauben. 1943 bauten die Amerikaner auf Terceira ihren bereits 1913 gegründeten Stützpunkt aus, ein Flugfeld ermöglichte der US-Luftwaffe große Flugverbände im Zweiten Weltkrieg einzusetzen. Die Azoren wurden immer wieder von Vulkanausbrüchen oder Erdbeben heimgesucht. Den größten Ausbruch bildete 1957 die Entstehung des Vulkans Capelinhos an der Küste der Insel Faial. Etwa 2.000 Menschen mussten umgesiedelt werden und viele Bewohner wanderten in die USA aus, die durch ein Sondergesetz die Immigration dieser Menschen ermöglichten. 1980 erschütterte ein Erdbeben die Insel Terceira und zerstörte die Hauptstadt Angra do Heroísmo. Das letzte größere Beben ereignete sich 1998, tötete auf der Insel Faial zehn Menschen und machte Tausende obdachlos.
Die Azoren liegen auf 36° 43' bis 39° 56' N und 24° 46' bis 31° 16' W und umfassen eine Grundfläche von 2.334 Quadratkilometer. Sie sind Teil des Mittelatlantischen Rückens. Die neun großen Inseln, von denen acht vulkanischen Ursprungs sind und lediglich eine (Santa Maria) sedimentär ist, werden in drei Gruppen aufgeteilt: Im äußersten Westen liegen als »Grupo Ocidental« Corvo und Flores, zur Mittelgruppe (Grupo Central) zählt man Faial mit der Inselhauptstadt Horta, dem Hauptanlaufpunkt für Atlantiküberquerer, Pico mit Hauptort Madalena, São Jorge, Graciosa und Terceira. Hauptstadt von Terceira ist das als Weltkulturerbe anerkannte Angra do Heroísmo, das nach dem Erdbeben von 1980 wiederaufgebaut wurde. Die südöstliche Gruppe (»Grupo Oriental«) besteht aus Santa Maria, den Formigas, einer unbewohnten Inselgruppe, und São Miguel, der größten Insel (Hauptinsel) der Azoren, deren Hauptstadt Ponta Delgada zugleich Hauptstadt des gesamten Archipels und auch u. a. Hauptsitz der auf mehreren Inseln angesiedelten Universität der Azoren ist. Der gleichnamige Vulkan auf der Insel Pico ist mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals. BesonderheitenDie westlichsten Inseln Flores und Corvo gehören geologisch bereits zur amerikanischen Kontinentalplatte. BevölkerungAuf den Azoren leben insgesamt 250.000 Einwohner, die überwiegend portugiesische Staatsbürger sind. Sie sind zu 95 Prozent katholisch. VerwaltungDie Azoren bilden die Região Autónoma dos Açores, die in 19 Kreise municípios aufgeteilt ist. Die Verwaltungshauptstadt ist Ponta Delgada: WirtschaftIm Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichen die Azoren einen Indexwert von 61.1 (EU-25:100) (2003). Bedeutendste Wirtschaftszweige auf den Inseln sind die Vieh- und Milchwirtschaft. Exportiert werden hauptsächlich Milch, Milchprodukte sowie Rindfleisch. Wegen ihrer Ursprünglichkeit und ihrer milden, nie extremen Temperaturen gewinnt auch der Tourismus auf den immergrünen Azoren zunehmend an Bedeutung. Da acht der neun Inseln vulkanischen Ursprungs sind und somit - bis auf die Insel Santa Maria (sedimentären Ursprungs) - keine weiten Sandstrände bieten, dazu die Temperaturen im Sommer meist 25 °C nicht übersteigen und Niederschläge in der Wetterküche Europas stets vorkommen („Vier Jahreszeiten am Tag“), sind Azoren-Urlauber jedoch eher Segler oder Touristen vom Schlage wandernder Abgeschiedenheitssucher, welche Diskotheken und sonstigen Vergnügungsbetrieb, den man ohnehin kaum vorfindet, meiden. Verschiedene Heilquellen und Thermalbäder machen den Ort Furnas (Hauptinsel Sao Miguel), nicht nur für Festlands-Portugiesen, seit langem zu einem attraktiven Kurort. Im Winter werden mindestens 10 Grad erreicht, ab April werden auch 20 Grad überschritten. Im Sommer ist es tagsüber bis zu 25 Grad warm und in der Nacht sinken die Temperaturen selten unter 15 Grad. Der Herbst ist mild und sehr regnerisch. Die Azoren sind das einzige europäische Land, in dem noch Tee angebaut wird.
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