Afghanistan

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Das Welterbe in Afghanistan

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"Fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban bietet Afghanistan ein ernüchterndes Bild. Die Regierung Karsai ist schwach, die internationale Staatengemeinschaft hat beim Aufbau des Sicherheits- und Justizsektors versagt, und für die meisten Afghanen ist die Verbesserung ihrer unmittelbaren Lebenssituation ausgeblieben. Angesichts der versprochenen Milliardenhilfen hat das erhebliche Ressentiments ausgelöst. Das Wiedererstarken der Taliban im Süden bedroht den weiteren Entwicklungsprozess und die politische Stabilität des ganzen Landes."

Rolf Paasch: Illusionen einer Intervention

 
 

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Afghanistan liegt historisch und geographisch an einer äußerst wichtigen Wegkreuzung, an der persische, griechische, hinduistische, buddhistische und islamische Kulturen aufeinander trafen und sich gegenseitig beeinflussten. Eine der frühesten Zivilisationen des Bronzezeitalters fand im heutigen Nordafghanistan ihren Ursprung und entwickelte einen regen Handelsverkehr zwischen den Indus-Zivilisationen und Mesopotamien. Im 6. Jahrhundert v. Chr. enstand hier der Zoroastrismus. Ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. wurde Afghanistan zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren des Islams. Maler, Dichter, Kalligraphen und Künstler schufen Werke in Balkh, Jam und Ghazni, die die gesamte östliche islamische Welt, von der Türkei über Persien bis hin zu Indien, nachhaltig beeinflussten. Weltweit einmalige archäologische Stätten zeugen von einer unvergleichlich vielfältigen kulturellen Vergangenheit. Durch die Jahrzehnte des Konfliktes, der Verwüstung und Plünderung sind diese Stätten jedoch teilweise oder ganz zerstört worden. Städte und Gebäude haben schwere Bombenschäden erlitten, viele Landstriche in Afghanistan sind vermint. Neben dem politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufbau des Landes besitzt auch die Bewahrung und Wiederherstellung des kulturellen Erbes eine wichtige Priorität. Unter der Leitung der Weltkulturorganisation UNESCO und mit Hilfe verschiedener regionaler und internationaler nichtstaatlicher Organisationen wurden Anfang 2002 Restaurierungsarbeiten an den wichtigsten historischen Stätten in die Wege geleitet.

Die Hauptstadt Kabul hat stark unter dem Bürgerkrieg und den Luftangriffen der vergangenen Jahre gelitten. Etwa ein Drittel der öffentlichen Gebäude und 40% der Häuser wurden zerstört. Es gibt nur wenige historische Bauwerke, Moscheen und Denkmäler – im Garten von Babur, früher als einer der schönsten Gärten in Asien bekannt, steht zumindest noch Baburs Grabmal. Auch das staatliche Museum in Kabul, das einst eine der größten Antiquitätensammlungen in Asien besaß, wurde stark mitgenommen. Nur etwa ein Drittel der Sammlungen hat die Verwüstungen des Krieges überlebt. Kürzlich wurde mit dem Wiederaufbau des Museums begonnen.

Der wilde und abgelegene Hindukusch besteht aus zwei riesigen Bergketten und liegt in der Region Nuristan nordöstlich von Kabul. In Bamian standen einst zwei riesige Buddhafiguren aus dem 3. oder 4. Jahrhundert, die 38 und 55 m hoch waren. Im März 2001 wurden die Buddhas von den Taliban in die Luft gesprengt. Andere historische Stätten in Afghanistan, die während der Jahrzehnte der Konflikte ganz oder beinahe zerstört wurden, sind u.a. das zweithöchste Minarett der Welt in Jam (aus dem 12. Jahrhundert), die Moschee Haji Piyada in der Balkh-Region und das blau gekachelte Mausoleum der Königin Gauhar Shads im westlich gelegenen Herat. Mit der allmählichen Restaurierung dieser und anderer Stätten wurde mittlerweile begonnen.

Aus: www.derreisefuehrer.com, Copyright (c) 2006 Highbury Columbus Travel Publishing Ltd.

 

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