Die Bezeichnung Tibet wird heute sowohl für das gesamte tibetische Hochland verwendet, als auch für das Autonome Gebiet Tibet, ein in den fünfziger Jahren gewaltsam annektiertes Verwaltungsgebiet der Volksrepublik China. Das Autonome Gebiet Tibet umfasst etwa die Hälfte des tibetischen Kulturraums und liegt im Süden Tibets. Die nördlichen und östlichen Teile des tibetischen Kulturraums sind Teil der chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan. Im offiziellen chinesischen Sprachgebrauch steht der englische Begriff Tibet (d.h. das chinesische Xizang 西藏) immer für das Autonome Gebiet Tibet; allerdings schließt auch der tibetische Begriff bod bzw. bod yul die osttibetischen Regionen Amdo und Kham, also überwiegend außerhalb des Autonomen Gebiets Tibet gelegenen Gebiete, üblicherweise nicht mit ein. Um mitgerechnet zu werden, muss im Tibetischen bod chen (Böchen) = „Groß-Tibet“ gebraucht werden.
Die Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China ist in der breiten Öffentlichkeit umstritten, obwohl es weltweit keinen Staat gibt, der dies auf diplomatischer und politischer Ebene offiziell in Frage stellt.
| Tibets Status |
| Historische Anmerkungen zu Tibets Status |
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Bis Anfang des 18.
Jahrhunderts war Tibet eine Region ohne festgelegte
Grenzen, bei innerer Autonomie unter mongolischer
Schirmherrschaft. Mit dem Niedergang der
mongolischen Macht brachen auf tibetischem Gebiet
„Nachfolgeunruhen“ aus. Aufgrund dieser Unruhen erklärte China um 1720 das Gebiet Tibets zu seinem Protektorat bei voller innerer Autonomie Tibets. Diese Konstruktion hielt fast 200 Jahre lang und hatte Vorteile für beide Seiten. Die Tibeter waren Herren im eigenen Land und weitgehend ungestört und unter sich. Chinesischen Einfluss gab es nur in den östlichen Randlagen Tibets zu der chinesischen Tiefebene. Dies sind bis heute die Gebiete mit einem größeren Bevölkerungsanteil von Han-Chinesen. Darüber hinaus hatte kaum ein Chinese aus dem Flachland die Motivation, das unerschlossene Gebiet Tibets, viele hundert Kilometer zu durchqueren, da diese Gebiete häufig auch nur sehr dünn besiedelt waren. Jede Reise in Tibet war beschwerlich und ohne ortskundige Begleitung nicht zu machen. Es gab in Tibet zudem fast nichts, mit dem die Chinesen den Handel hätten treiben können, der diese aufwändige Reise hätte rechtfertigen können. So verweilten zur Zeit des Einmarsches Chinas in das damals de facto unabhängige Tibet (dies umfasste ungefähr das Gebiet des heutigen Autonomen Gebiets Tibets) im Jahr 1950 dort nur sechs Ausländer, darunter auch die Österreicher Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter. Für die Chinesen hatte das Protektorat über Tibet den Vorteil der Klarstellung, dass China bis zum Gebirgskamm des Himalaya Gebietsansprüche hatte. Es war eindeutig, ab wann fremde Mächte chinesisches Hoheitsgebiet betraten, und einen Krieg mit China wollte keiner der kleineren umgebenden Staaten beginnen. Für die Bevölkerung Tibets garantierte die Stellung als chinesisches Protektorat den Schutz gegen äußere Feinde und damit den äußeren Frieden. Aufgrund dieser Konstellation wird in den alten Atlanten Tibet meist als Teil Chinas dargestellt. Die Lage änderte
sich mit dem Auftauchen der englischen
Invasionsarmee, welche die Außengrenzen Chinas nicht
respektierte. |
| Die chinesische Sichtweise |
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Aus Sicht der
festland-chinesischen Regierung ist Tibet seit
mehreren hundert Jahren ein fester Bestandteil
Chinas. Nach dieser Ansicht hätte der 13. Dalai Lama
Thubten Gyatso im Jahr 1894 mit Hilfe der
britischen Imperialisten versucht, Tibet von China
abzuspalten. In diesem Jahr wurde der Statthalter
des chinesischen Kaisers vom Dalai Lama aus Tibet
vertrieben. Die Kolonialmacht Großbritannien war in
China militärisch präsent und unterstützte die
Abspaltung Tibets politisch, was die chinesische
Regierung zum Stillhalten zwang. Die
Unabhängigkeitserklärung von 1913 ist aus
chinesischer Sicht
völkerrechtlich nie wirksam geworden, da sie
weder von China noch von irgendeinem anderen Staat
je anerkannt wurde. Mit dem Zurückdrängen der
ausländischen Beeinflussung Tibets (1950) und dem
Abschluss des
17-Punkte-Abkommens (1951) sei der traditionelle
Zustand wiederhergestellt worden. |
| Die Sicht der tibetischen Exilregierung |
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Die
tibetische Exilregierung vertritt die
Auffassung, dass Tibet zum Zeitpunkt der
Invasion durch die chinesische
Volksbefreiungsarmee ein unabhängiger Staat
gewesen sei, und dass die militärische Invasion und
die andauernde Besetzung ein Verstoß gegen
internationales Recht und gegen das Recht auf
Selbstbestimmung seien. Ferner sei Tibet nicht,
wie es die Volksrepublik darstellt, seit 700 Jahren
fester Bestandteil Chinas, sondern habe nur für
kurze Zeiten unter dem Einfluss der Mongolen oder
der Mandschus gestanden, jedoch nie unter dem
Einfluss der Han-Chinesen. Das 17-Punkte-Abkommen ist nach tibetischer Auffassung ungültig, da die Unterzeichnung durch tibetische Delegierte aufgrund militärischen Drucks Chinas erfolgte. Des Weiteren wird China vorgeworfen, die in dem Abkommen zugesicherte innenpolitische Autonomie und Religionsfreiheit missachtet zu haben. Am 21. September 1987 machte der Dalai Lama einen Vorschlag zur Annäherung an China in Form eines Fünf-Punkte-Friedensplans:
Die chinesische Regierung wies den Plan am 17.
Oktober 1987 zurück und beschuldigte den Dalai Lama
die Kluft zwischen ihm und der chinesischen
Regierung zu vergrößern. Sie wirft ihm darüber
hinaus vor, ein politischer Exilant zu sein, der
sich seit langem im Ausland um Chinas Spaltung
bemüht. Ein Dialog mit dem Dalai Lama kommt für sie
nur in Betracht, sobald dieser auf das Streben nach
einer so genannten Unabhängigkeit Tibets verzichtet.
Hierzu müsse er in einer öffentlichen und
eindeutigen Erklärung Tibet und
Taiwan
als untrennbare Teile des chinesischen Territoriums
und die Volksrepublik China als die einzige legitime
Regierung anerkennen, sowie sich zur Einstellung
aller Aktivitäten zur Spaltung des Vaterlandes
verpflichten. |
| Internationale Sicht |
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